Was Autismus-Fragebögen leisten und was nicht

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Aber die Tests waren doch eindeutig.“ Diesen Satz hören wir in der Praxis immer wieder. Die Erwartung dahinter ist klar: Hohe Werte müsste doch zu einer klaren Diagnose führen! Genau das passiert häufig nicht.
Ein Blick in die Studienlage macht verständlich, warum. ADOS-2 und ADI-R erfassen Verhaltensmerkmale, aber diese Me
rkmale tauchen auch in anderen Kontexten auf.
  • Bei ADHS zeigen etwa 21 % im ADOS-2 auffällige Werte, im ADI-R sind es rund 30 %. Auch bei Störungen des Sozialverhaltens liegt ungefähr jede fünfte Person im auffälligen Bereich.
  • Noch deutlicher wird es bei internalisierenden (z.B. Angststörungen , Depression) Störungen. Im ADOS-2 fallen bis zu 29 % auf, im ADI-R überschreiten bis zu 49 % mindestens einen Cut-off-Wert.
  • Ähnliche Muster zeigen sich bei Bindungsstörungen.
    Rund 20 % sind im ADOS-2 auffällig, im Interview zeigen sich teilweise deutlich höhere Werte in einzelnen Bereichen.
  • Selbst bei Zwangsstörungen finden sich in etwa 11 % der Fälle falsch-positive Ergebnisse.
  • Besonders auffällig sind die Daten zu Persönlichkeitsstörungen.
    Hier zeigen Studien Werte zwischen 50 und 58 % im ADOS-2.

Diese Zahlen wirken im ersten Moment irritierend, machen aber sichtbar, dass die erfassten Merkmale nicht exklusiv sind. Soziale Schwierigkeiten, Besonderheiten in der Kommunikation oder repetitive Muster können unterschiedliche Ursachen haben. Hinzu kommt, dass sogenannte „autism-like-traits“ weit verbreitet sind.
Ein Teil der Bevölkerung zeigt einzelne Merkmale, ohne die Kriterien einer Autismus-Spektrum-Störung zu erfüllen. Der Unterschied liegt dabei nicht in einem einzelnen Wert, entscheidend sind Kombination, Intensität und Verlauf über die gesamte Lebensspanne hinweg. Ein Cut-off markiert eine Grenze im Test, die Einordnung entsteht im Kontext.